Nach mehrjähriger Erprobungsphase im Rahmen des SPiCE-Projektes wurde im Herbst 1998 ISO/IEC 15504 - Software Prozess Assessments (ref) - als Technischer Report (TR) in neun Teilen veröffentlicht. Die Überarbeitung in einen Internationalen Standard (IS) fand mit der Veröffentlichung von Teil 5 im März 2006 einen vorläufigen Abschluss.
In ISO/IEC IS 15504 sind Erfahrungen verschiedener Assessment-Methoden, wie z.B. Bootstrap, Trillium, Tick-IT, CMM und CMMI eingeflossen, und es wird ein einheitliches Measurement Framework zum Vergleich von Assessmentergebnissen angeboten.
Die Norm beschreibt - gestützt auf die Lebenszyklus-Prozesse der ISO/IEC 12207 und deren Amendments 1 und 2 -
alle thematischen Bereiche, die für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb software-basierter Systeme von Bedeutung sind. Durch Auflistung sogenannter Indikatoren im Teil 5 (dem "Assessment-Modell") sind die Voraussetzungen gegeben für objektive, wiederholbare und vergleichbare Bewertungen. Beispiele für Indikatoren sind die Durchführung grundlegender Praktiken (Base Practices) und die Inputs und Outputs der Prozesse.
Im Measurement Framework liefert ISO/IEC IS 15504 den Massstab für die Bewertung der Prozessfähigkeit. Die Fähigkeit eines Projektes bzw. einer Organisation zur Prozessbeherrschung wird auf einer Skala von 0 (der "unvollständige" Prozess) bis 5 (der "optimierende" Prozess) eingestuft. Diese Stufen heissen Fähigkeitsgrade (Capability Levels) und werden für jeden Prozess einzeln bestimmt.
Im Standard finden sich auch klare Vorgaben hinsichtlich der Durchführung eines Assessments (geforderte Aktivitäten wie Planung des Assessments einschliesslich Erhebung des Assessment-Inputs, Sammeln der Information, Validierung der Information, Bewertung der Prozessattribute, Berichterstattung) sowie zu Rollen (Assessment Sponsor, Competent Assessor, Mitglied des Assessment-Teams), Verantwortlichkeiten und Fähigkeiten.